Meine dritte Schwangerschaft

Dieses Mal sollte alles ganz anders sein. Auf meinen Wunsch hin, wurde mir im November Blut abgenommen, um den Progesterongehalt zu bestimmen. Tatsächlich wurde ein kleiner Mangel festgestellt. So dass ich im nächsten Zyklus mit der Progesteroneinnahme kurz nach dem Eisprung begonnen habe. Am Tag der eigentlich Periode sollte ich einen Test machen. Denn das Progesteron unterbindet die Blutung, so dass man nicht weiß ob man überfällig ist oder nicht. Ich war so aufgeregt und testete schon einen Tag vor meiner eigentlichen Periode. Negativ. Daraufhin Progesteron direkt abgesetzt damit die Blutung kommen kann. Mein Mann war sauer auf meine Ungeduld. Und er sollte Recht behalten. Drei Tage später passierte nichts. Ich fragte eine Freundin wie lange es dauert bis das Progesteron abgebaut ist. Sie meinte es könnte sogar bis zu zwei Wochen dauern. Das hat mich total frustriert.

Erst negativ dann positiv

Ich googelte falsch negative Schwangerschaftstests und machte mir Hoffnungen. Also testete ich am 12.12.2020 mit Morgenurin – positiv- ganz klar und deutlich. Direkt habe ich wieder mit der Hormoneinnahme begonnen. War es jetzt schlimm dass ich drei Tage ausgelassen habe? Darüber wollte ich mir jetzt keine Sorgen machen. An diesem Tag wollte ich mich einfach nur freuen.

Meine Mama hatte Geburtstag. Also gratulierte ich ihr und natürlich wollte ich direkt mit ihr meine Freude teilen. Auch meiner Schwester habe ich es direkt erzählt. Sie hat die ganze Zeit mitgefiebert. Ich freute mich dass ich mich auch noch beim dritten Mal freuen konnte. Es war ein wundervolles Gefühl. Mein Mann war eher verhalten…vorsichtig. Immer wenn er von unserer Schwangerschaft sprach, sagte er: „Wenn wir richtig schwanger sind, dann…“. Ich sagte ihm dass ich bereits richtig schwanger bin. Schließlich spürte ich es direkt. Übelkeit, Geruchsempfindlichkeit, Ekel, Kopfschmerzen, Müdigkeit…das volle Programm. Vor allem die Müdigkeit machte mir die nächsten Tage zu schaffen.

Ich musste noch 1 1/2 Wochen arbeiten. Dann hatte ich Urlaub. Ich sehnte diesen Urlaub so sehr herbei. Diese Tage waren wirklich anstrengend und ich fragte mich wie das all die Frauen machen, die trotzdem die ersten Wochen zur Arbeit gingen.

Den Termin bei der Frauenärztin zur Schwangerschaftsfeststellung habe ich erst für den 05.01.2021 vereinbart. Ich wollte die Weihnachtstage genießen und nicht wieder in diese Warteschleife kommen, wo man noch nichts sehen kann und dann eine Woche warten muss und dann wieder zur Untersuchung kommen muss. Ich vertraute auf mein Gefühl dass wir im August (vielleicht sogar an meinem Geburtstag) zu dritt sein würden. 

Weihnachten hätte so schön sein können

Am 24.12 feierten wir Weihnachten mit meiner Familie bei meinem Bruder. Keiner wunderte sich dass ich keinen Wein trinken möchte. Es ist ein besinnliches Weihnachtsfest…bis ich zur Toilette muss und beim Toilettengang hellrotes Blut im Toilettenpapier sehe. Es war nur ganz leicht und ich versuchte mir keine Sorgen zu machen. In den nächsten Tagen beobachtete ich das Geschehen bei jedem Toilettengang. Das macht man eh bei jeder Schwangerschaft. Zumindest wenn man schon Fehlgeburten hatte.  

Meine Blutungen gingen zwar in Schmierblutungen über, aber wurden immer schlimmer. Am 30.12 beschließen wir ins Krankenhaus zu fahren. Ich hatte Angst, gleichzeitig freue ich mich darauf unser kleines Krümelchen zu sehen. Es ist ein komisches Gefühl. Mein Mann redete mir während der Fahrt positive Gedanken zu. Er musste leider vor dem Krankenhaus warten und durfte nicht rein. Als ich in der Notaufnahme den Grund meines Kommens schildern sollte, wurde meine Stimme schon brüchig. Ich sollte hoch auf die Geburtsstation. Auf dem Weg dahin begegnen mir Frauen, die gerade ihre Kinder geboren hatten.

War das etwa ein Herzschlag?

Die Ärztin hatte sofort Zeit für mich und vor allen Dingen nahm sie sich auch sehr viel Zeit für mich. Zunächst lies sie mich einfach nur erzählen. Dann sollte ich auf den Untersuchungsstuhl und sie tastete meinen Unterleib ab und den Muttermund. Das hatte meine Frauenärztin noch nie gemacht. Auch die Position des Stuhls war ganz anders. Ich lag mit dem Unterkörper ganz tief anstatt hoch. Als sie mit dem Ultraschall angefangen hat, habe ich direkt gesehen dass es einen Dottersack gibt. Auch das hat es die letzten Male nicht gegeben. Und… täuschte ich mich oder sah ich da ein ganz starkes Pulsieren? Ja! Die Ärztin bestätigte mir den Herzschlag und ich war überglücklich. Danach hat sie die Fruchthöhle und den Dottersack ausgemessen und mich auf 6+1 zurückgerechnet (ich war bereits 7+3). Ok, das kam vor. Außerdem empfahl sie mir Magnesium zu mir zu nehmen um die Gebärmutter zu entspannen. Und wir stellten das Progesteron von 2 Tabletten abends auf 1 morgens und 1 abends um. Sie erklärte mir dass man nicht in die Zukunft schauen kann und nicht weiß woher die Blutungen kamen oder wohin sie führen werden. Die Diagnose lautete: Drohende Fehlgeburt. Ich nahm den Bericht mit und konnte es kaum erwarten meinem wartenden Mann zu erzählen. Wir umarmten uns und waren trotz der Diagnose überglücklich. 

Bereits nach einem Tag hörte die Blutung auf. Ich hatte immer noch Urlaub und konnte mich ausruhen. Wir feierten ein gemütliches Silvester und freuten uns darüber dass im nächsten Jahr alles besser laufen würde. Einige Tage später hatte ich auch schon meinen Termin bei meiner Frauenärztin. Dieses Mal ging ich ohne Angst dahin. Ich wusste ja dass alles gut war. Ich nahm ein Video vom Ultraschall für meinen Mann auf. Er sollte dieses kleine Wunder auch sehen. Meine Frauenärztin schrieb mich bis zur nächsten Untersuchung, in zwei Wochen, krank. Und ich machte tatsächlich nichts. Man konnte eh nichts machen. Wir befanden uns im Lockdown, mein Mann arbeitete von zu Hause, man durfte niemanden treffen. Es war schön diese Zeit zusammen zu genießen.

Was ist wenn es zu klein ist?

Nach einer Woche schlichen sich jedoch schlechte Gedanken ein. Ein Gedanke ging mir schon die ganze Zeit nicht aus dem Kopf. Auch meine Frauenärztin hat mich eine Woche später auf 6+1 bestimmt. Ich versuchte positiv zu denken. Im Krankenhaus wurde die Woche anhand der Fruchthöhle bestimmt und in der Praxis anhand der Embryogröße. Aber eigentlich wusste ich ganz genau wann wir unseren Krümel gezeugt haben. Ich wusste dass es nicht ganz richtig sein kann. Auch wenn ich versuchte positiv zu denken, mein Unterbewusstsein ging damit ganz anders um. Ich bekam Schlafprobleme. Kaum eine Nacht konnte ich vernünftig schlafen. Mitten in der Nacht wachte ich auf und war hellwach. Ohne dass ich an etwas bestimmtes dachte. 

Die zweite Woche bis zum Termin war der Horror. Am Samstag vor unserem Termin hatte ich plötzlich so ein schlechtes Gefühl, dass ich die ganze Zeit weinen musste. Mein Mann wollte mich ablenken. Also fuhren wir in den Schnee und machten da einen Spaziergang. Er machte Fotos von mir, die ich später in mein Notizbuch klebte. An diesem Tag schrieb ich das erste Mal an unseren kleinen Schatz. Ich versprach ihm stark zu sein.

Auch in dieser Nacht schlief ich nicht. Und dann passierte etwas komisches. Ich ging an mein Handy, um mir die Zeit zu vertreiben und sah eine Freundschaftsanfrage von Max aus Düsseldorf. Ich kannte ihn nicht. Weswegen war das komisch? Der einzige Jungenname der meinem Mann gefiel, war Max. Ich habe es als Zeichen gesehen und sofort dachte ich es ist alles gut mit unserem kleinen Max.

Die erste Vorsorgeuntersuchung

Am Montag, den 18.01.2021 stellte sich allerdings heraus dass nicht alles gut war. Das Herzchen hat aufgehört zu schlagen und unser Krümel hat sich nicht weiterentwickelt. Ich konnte nicht weinen. Ich war total gefasst und besprach mit meiner Ärztin das weitere vorgehen. „Einfach weiter versuchen“ sagte sie. „Das nächste Mal können wir noch zusätzlich zum Progesteron, Heparin spritzen“. Ich fand keine Worte mehr. Wie sollte ich noch weitere Versuche starten mit dem Gewissen dass es sehr wahrscheinlich genauso ausgeht wie jetzt? Denn nach drei Fehlgeburten war das Risiko sehr hoch. Mit dem Mutterpass in der Hand verließ ich die Praxis. Draußen stieg mein Mann aus dem Auto als er mich sah. Beim letzten Termin hat er einen Blumenstrauß aus dem Auto geholt, als er mich grinsen sah. Jetzt grinste ich nicht. Er hielt mich fest und erst dann flossen die Tränen.

Zu Hause angekommen schrieb ich allen Nachrichten, die bereits von unserer Schwangerschaft wussten. Ich laß die Nachrichten und legte das Handy weg. Dieses Mal wollte ich von niemandem etwas hören. Ich wollte mich abgrenzen und nicht zulassen dass mich unbedachte Worte von Leuten verletzten. Die meisten hatten auch nicht viele Worte. Mein Mann fuhr los um mir geräucherten Fisch zu holen. Gestern hatte ich Heißhunger darauf. Jetzt konnte ich ihn essen. In der Zwischenzeit ließ ich traurige Musik laufen und schrieb in mein Notizbuch. Irgendwie wollte ich auch die Tränen provozieren. Ich fühlte mich immer noch benommen.

Abends machten wir einen Spaziergang. Als wir wiederkamen hatte mein Mann einen entgangenen Anruf von meiner Schwester. Und plötzlich klingelte es an unserer Haustür und ich wusste, dass es meine Schwester war. Als ich sie sah brach ich in Tränen aus. Es tat so gut dass jemand für mich da war und mir das auch zeigte. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht wie sehr ich mich danach sehnte dass mich jemand aus meiner Familie ganz festhielt und ich wie ein Baby weinen konnte und beschützt fühlte. Natürlich konnte ich auch in den Armen meines Mannes weinen. Aber ihm ging es doch selber schlecht. Es war nicht das gleiche. Meine Schwester ist 400 km gefahren, mein Schwager hat sich extra frei genommen, um auf die vier Kinder aufzupassen, die gerade alle im Homeschooling waren. Dafür werde ich für immer Dankbar sein. 

Am nächsten Tag musste ich erst realisieren dass das alles gerade Wirklichkeit ist. Irgendwie war ich immer noch in einer Blase. Wir beschlossen mit meiner Schwester mit zu fahren und eine Woche bei ihr zu bleiben. Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Dort hatten wir Leben um uns herum und Ablenkung. Wir unterrichteten zusammen die Kinder und mein Mann saß im Keller im Homeoffice. Als die Woche rum war, wollte ich gar nicht nach Hause. Irgendwie habe ich nur noch schlechtes damit verbunden. Am liebsten wäre ich jetzt ganz weit weg gefahren. 

Die erste Woche zu Hause und die Rückkehr der Hoffnung erzähle ich euch hier.

Ihr seid nicht alleine

Ich drücke alle die gerade ähnliches erleben und schicke euch viel Kraft. Auch wenn ihr es euch jetzt noch nicht vorstellen könnt: Es wird besser. Gestern hätte ich mir noch nicht denken können so einen Satz zu schreiben 😉 Ihr seid nicht alleine.

Und diejenigen, die auf dieser Seite gelandet sind um andere besser verstehen zu können: Seid vorsichtig und sensibel. Seid da. Hört zu, aber gebt keine Ratschläge. Spart euch Flosskeln wie: Alles hat einen Grund, An allem Negativen ist auch etwas Positives, Lass los, Vertrau der Natur…..

Schreibt mir gerne über eure Erfahrungen und Gefühle.

Bis bald!

3 Kommentare zu „Meine dritte Schwangerschaft

  1. Deine Schwester ist toll! Sie hat das einzig richtige gemacht. Es ist schön, dass sie Dich so unterstützt, trotz eigener Familie. Es ist schön, wenn wir KiWu-Blogger uns hier zusammen finden und gegenseitig unterstützen. Ich lese auf jeden Fall hier gern weiter.

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