Ihr habt die Wahl

Bevor ich mit diesem Thema konfrontiert wurde, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht wie ein toter Embryo wieder aus dem Körper raus kommt. Dementsprechend war ich bei meiner ersten Fehlgeburt überfordert. Eine Fehlgeburt kann unterschiedlich ablaufen. Es kann sein dass der Körper das ganz von selbst macht. Man bekommt plötzlich starke Schmerzen (Wehen) und fängt an stark zu bluten. Es kann aber auch sein, dass der Körper gar nicht bemerkt dass etwas nicht in Ordnung ist. Bei mir war es in allen drei Fällen eine verhaltene Fehlgeburt (oder Missed Abortion). Das heißt: Ich habe keine eindeutigen Anzeichen für eine Fehlgeburt gehabt, lediglich mein Gefühl hat mich darauf vorbereitet dass etwas nicht stimmen könnte. Egal wie es passiert, es ist immer schrecklich.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Nach der Diagnose „Verhaltene Fehlgeburt“ wird man oft mit einer Überweisung für eine Ausschabung nach Hause geschickt. Auch meine Frauenärztin hat mich gefragt ob ich eine Überweisung möchte. Obwohl ich mir da drüber noch nie Gedanken gemacht habe, hat mein Gefühl mir gesagt dass ich das nicht möchte. Daraufhin klärte meine Frauenärztin mich darüber auf, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Da ich in vielen Beiträgen gelesen habe, dass keine Alternativen angeboten wurden, ist es mir besonders wichtig darüber zu schreiben. Jede Frau sollte ihre Möglichkeiten kennen und dann selbst entscheiden können welcher Weg für sie der richtige ist.

  1. Ausschabung: Operative Entfernung der Gebärmutterschleimhaut. Wird im Krankenhaus unter Vollnarkose gemacht.
  2. Abwarten: Abwarten bis der Körper selbst bemerkt, dass etwas nicht stimmt und die Fruchthöhle abstößt.
  3. Kleine Geburt: Abgang wird mittels Tabletten eingeleitet.

Ich möchte darauf hinweisen, dass es hierbei um die Möglichkeiten geht, die man bei einem Embryo unter 500 Gramm hat. Weiter fortgeschrittene Schwangerschaften verhalten sich anders.

Woher weiß ich welcher Weg der richtige für mich ist?

Wenn man eine starke Intuition hat, wird das Bauchgefühl einem sagen was das richtige ist. Ansonsten kann ich jeder Frau nur raten, keine Entscheidung direkt nach der Diagnose zu treffen. Wartet eine Woche ab. Nehmt euch Zeit für den Schmerz und die Trauer. Nach einer Woche könnt ihr klarer denken, euch informieren und bessere Entscheidungen treffen. Informiert euch über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden und schaut was euch ein besseres Gefühl gibt.

Ausschabung

Die Vorstellung dass meine Gebärmutter unter Narkose ausgeschabt wird, war für mich schrecklich. Das kann auch daran liegen, dass ich noch nie operiert wurde. Aber ich hatte auch Angst davor, dass meine Gebärmutter beschädigt wird und sich daraus weitere Probleme ergeben könnten. In vielen Berichten wurde außerdem von einer großen Leere gesprochen, die viele Frauen nach dem Auffachen empfinden. Viele Krankenhäuser bestatten die Embryonen danach in einem Sammelgrab auf einem Friedhof. Auch das kann hilfreich für die Trauerbewältigung sein. Außerdem gibt es nach einer Ausschabung wohl auch die Möglichkeit das Gewebe überprüfen zu lassen, um eventuell eine Antwort darauf zu bekommen warum der Embryo sich nicht mehr weiterentwickelt hat. Je nachdem was für ein Typ Mensch man ist, könnte auch das weiterhelfen.

Abwarten

Zunächst war für mich der beste Weg einfach abzuwarten. Aber auch das ist nicht einfach, denn mein Körper hatte noch nicht bemerkt dass der Embryo nicht mehr lebt. Er hat weiterhin HCG produziert und ich fühlte mich immer noch schwanger. Das führte auch dazu, dass ich irgendwann doch noch die Hoffnung hatte, dass etwas übersehen wurde oder eine Fehldiagnose gestellt wurde. Außerdem wollte ich so schnell wie möglich wieder arbeiten, um in den Alltag zurückzukehren. Ich hatte Angst dass es plötzlich passieren würde und ich mich nicht darauf vorbereiten könnte. Wenn man keine Vorstellung davon hat, ist es besonders schwer das abschätzen zu können. Auch wenn meine Frauenärztin mir sagte, dass der Abgang sich durch Schmerzen ankündigen würde, hatte ich sehr große Angst davor in dem Moment in einer ungünstigen Situation zu sein. Außerdem muss jeder für sich selbst wissen wie lange es psychisch auszuhalten ist ein totes Kind unter dem Herzen zu tragen. Denn laut Berichten kann es sogar einige Monate dauern bis der Körper „loslässt“.

Medikamentöser Abgang

Ich habe mich bei allen drei Fehlgeburten für den medikamentösen Abgang entschieden, weil ich nicht so lange abwarten konnte. Es ist in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern (Niederlande, Schweiz, Schweden…) kein gängiges Verfahren. Es kann also gut sein, dass euer Arzt euch davon abrät und euch sogar sagt dass es gefährlich ist. Die Tabletten (Cytotec) sind eigentlich nicht für diesen Zweck zugelassen und wurden mir von meiner Ärztin ohne Rezept gegeben. Auch wenn sich das für manch einen kriminell und nicht richtig anhört, bin ich meiner Ärztin für diesen Weg immer noch sehr dankbar. Diese Tabletten werden auch bei normalen Schwangerschaften im Krankenhaus zur Geburtseinleitung benutzt. Sie sind quasi dazu da, dass der Muttermund sich öffnet und Gebärmutterkontraktionen entstehen. Auch hier können, wie bei allen anderen Verfahren, Komplikationen entstehen. Deshalb empfiehlt es sich nicht alleine zu sein. Ihr habt Anspruch auf eine Hebamme (egal in welcher Woche ihr euch befindet). Dies kann unterstützen. Auch ich war nie alleine zu Hause. Mein Mann war da und hätte jederzeit mit mir ins Krankenhaus fahren können, falls ich Fieber bekommen hätte oder die Blutung unverhältnismäßig viel gewesen wäre. Der große Vorteil bei dieser Methode ist, dass ihr euch mental und körperlich darauf vorbereiten könnt. Ihr seid nicht alleine und habt die ganze Zeit jemanden an eurer Seite. Ihr könnt euch gemeinsam verabschieden.

Egal wie ihr euch entscheidet: Lasst es euch nicht ausreden. Vor allem nicht von Menschen, die selbst noch keine Erfahrung damit gemacht haben. Nur ihr wisst was das Richtige für euch ist und wie ihr euch am besten verabschieden könnt.

Ihr könnt euch gerne bei mir melden wenn ihr Fragen habt.

Im nächsten Beitrag erzähle ich euch von meiner kleinen Geburt.

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