Kurzer Besuch in der Kinderwunschklinik

Bevor ich das erste Mal schwanger wurde (das hat immerhin ein Jahr gedauert), habe ich mir des Öfteren Gedanken darüber gemacht ob eine Kinderwunschklinik uns helfen könnte. Diese Gedanken hat glaube ich jeder nach einer gewissen Zeit. Dann habe ich Statistiken darüber gelesen wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist auf natürliche Weise schwanger zu werden. Die Wahrscheinlichkeit ist gar nicht mal so hoch, auch wenn alles in Ordnung ist. Das hat mich dann auf den Boden der Tatsachen geholt und ich verwarf den Gedanken mit der Kinderwunschklinik wieder. Auch nach der zweiten (kurzen) Schwangerschaft war dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen. Es wurden Untersuchungen gemacht. Im Januar, als die dritte Fehlgeburt festgestellt wurde, fragte ich meine Ärztin, ob wir uns in die Hände einer Kinderwunschklinik begeben sollten. Ihrer Auffassung nach machte es keinen Sinn, denn ich wurde ja schwanger.

Trotzdem beschäftigte ich mich vermehrt mit diesem Gedanken. Ich las Bücher, Blogs und schaute mir Kinderwunschprofile über Instagram an. Das kann ich grundsätzlich jedem empfehlen. Man fühlt sich weniger alleine und der Austausch hilft ungemein. Aber auch meine Meinung über Kiwu-Kliniken hat sich geformt. Wenn der Schritt zur Kiwu-Behandlung vorher ein Eingeständnis unseres Unvermögens für mich gewesen ist, so gab es jetzt eine Art Akzeptanz. Mich so zu akzeptieren wie ich bin. Zu akzeptieren, dass ich eben nicht wie andere ohne Hilfe schwanger werden und bleiben konnte, hat mir sehr geholfen, diesen Schritt zu wagen. Außerdem habe ich mich mit einer früheren Bekannten getroffen, die nach mehreren Fehlgeburten (10!!!!!) mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung gesunde Zwillinge zur Welt gebracht hat. Ihre Geschichte zu hören und ihre Kinder zu sehen hat mir Mut gemacht. Also vereinbarte ich einen Termin, wenngleich ich Angst davor hatte, dass mit unserer Not Geld gemacht wird.

Zunächst hörte sich alles sehr professionell an. Wir mussten beide vorab einen Fragebogen ausfüllen. Außerdem sollte ich bisherige Befunde zusenden. In meiner Vorstellung sollte sich ein Sherlock- Holmes- Arzt mit allen Berichten auseinandersetzen, analysieren und auf etwas kommen, was noch niemand gesehen hatte. Oder Untersuchungen durchführen, die jemand anderes noch nicht in Betracht gezogen hat. Am 01.03 war es dann so weit. Um 7:30 Uhr saßen wir im überfüllten Wartezimmer, als Frau Holmes uns aufrief. Mit ihrem zerknitterten T-Shirt sah sie aus, als wäre sie gerade erst aufgewacht. Sie fragte nicht nach unserer Geschichte. Schließlich waren wir wegen der Fehlgeburten da und damit ging es direkt los. Sie erklärte uns welche Untersuchungen es gibt und hakte das ab, was wir offensichtlich schon gemacht haben.

  • Überprüfung einer möglichen Gerinnungsstörung = Haken
  • Humangenetische Überprüfung = Haken

Bleibt also noch die Gebärmutterspiegelung. Zyklusmonitoring und ein Hormonstatus wurden gar nicht in Betracht gezogen, denn ich hatte ja einen regelmäßigen Zyklus. Sie ging auch noch auf weitere Untersuchungen ein, die eine geringe Studienbasis haben und deshalb auch nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Dazu gehört eine immunologische Analyse der Gebärmutterschleimhaut auf uNK-Zellen (uterine natürliche Killerzellen) und Plasmazellen. Außerdem käme noch eine Untersuchung der Spermien infrage. Anscheinend gibt es zusätzlich zum normalen Spermiogramm eine Untersuchung auf DNA Fragmentation der Spermien. Das waren also unsere Optionen. Von einer immunologischen Untersuchung des Blutes hat Frau Dr. Holmes auch gesprochen. Auch hat sie Herrn Dr. Pfeiffer erwähnt, von dem sie anscheinend nichts hielt. Das hat meine Hoffnung dann gänzlich zerstört. Ich habe sehr viel von Dr. Pfeiffer gelesen. Nur war mir nicht so wirklich klar, wie er arbeitet und wie man an ihn ran kommt. Natürlich habe ich Dr. Google gefragt, aber so richtig schlau wurde ich daraus nicht. Mir war der Unterschied zwischen der immunologischen Untersuchung der Gebärmutterschleimhaut und der Blutuntersuchung nicht klar, außer dass beides relativ unerforscht ist und die eine Untersuchung bekannter ist als die andere. Meine Hoffnung auf einen Sherlock- Holmes- Arzt war verschwunden. Zum Abschied sagte sie uns, dass wir einen sehr schwierigen und steinigen Weg vor uns hätten. Es hörte sich nicht danach an, als wollte sie uns helfen.

Das war dann der Tiefpunkt meiner Stimmungskurve. Ich war durcheinander. Mein Kopf war voll mit Informationen, die keiner für mich ordnen wollte. Keiner konnte mir sagen was der richtige Weg ist. Dann war da noch mein Bauchgefühl, was von meinem Kopf in die hinterste Ecke gedrängt wurde. Willkommen zurück im Kinderwunsch-Dschungel. Danke für die kurze „Pause“…ich bin wieder da.

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